Josh Amberger 70.3 Sunshine Coast Rennbericht
IRONMAN SUNSHINE COAST 70.3 – RENNBERICHT
GESCHRIEBEN VON JOSH AMBERGER
3:40 Uhr: Der Weckton reißt mich aus dem Schlaf. Ich bin überzeugt, nur der Tod ist schlimmer. Verlockend schließe ich die Augen – das Vergessen wäre einfacher. Ich rolle mich zu Ash hinüber, um mit ihr zu kuscheln. Keine Reaktion. Vielleicht ist sie auch tot. Aber wir stehen auf – aus Liebe zum Sport.
Regen empfängt uns, als wir an der Wechselzone ankommen. Es ist dunkel und man sieht nichts, es sei denn, man ist ein Opossum oder hat zum Frühstück Karotten gegessen! Kurz vor dem Start wünsche ich meinen Konkurrenten mit den üblichen Floskeln viel Glück. Wie heuchlerisch von mir.
Sobald der Startschuss fällt, will ich sie mit Feuer und Schwefel in die Knie zwingen. Start. Ich übernehme die Führung. Royle überholt mich bald, bleibt dann aber abrupt stehen – von einem nahegelegenen U-Boot torpediert. Ist möglicherweise gesunken. Ich hoffe es. Meine Bilanz gegen ihn ist grauenhaft. Der lange Lauf bis T1 macht nicht viel Spaß. Sand, dann Asphalt. Meine Füße sind verdammt noch mal am Ende.

Aufs Rad. Ein schwarzer Kakadu begrüßt uns im Vorbeiflug, ein flüchtiges Wunder, das mich zum Lachen bringt. Neumann dreht das Tempo auf, aber ich bin unvorbereitet. Meine Vogelbeobachtung führt ins Verderben, mein Körper reagiert nicht. Ich greife auf eine bewährte Bewältigungsstrategie zurück: Ich lecke mir einen Schnurrbart, den es gar nicht mehr gibt. Es gab bereits Forderungen nach einer Strafe wegen des Rasierens, einige Fans waren sprachlos. Gefangen in der Stasis. Weder hole ich auf, noch werde ich eingeholt. Es sieht alles gleich aus, irgendwie wie in einem Tom-Clancy-Roman. Ein Gel gerinnt an meinen Fingern. Eine weitere Regenflut. Meine Linien durch nasse Kurven sind weniger erprobt als ein russischer Corona-Impfstoff. Folgt mir nicht, ich bin jetzt ein Zwifter – wer fährt schon im Regen?

Ende der Radetappe, 60 Sekunden Rückstand. Beim Fantasy-Triathlon hole ich bis zur ersten Kehrtwende Zeit auf. Fantasy-Triathlon ist ein beschissenes Spiel, das du niemals spielen solltest. 2 Minuten Rückstand. Werden zu 3. Ich verliere den Fokus. McKenna wittert seine Chance und stürmt auf das Podium zu. Ich lege einen Druckverband an, um die Blutung zu stoppen – McKenna ist jetzt außer Gefecht gesetzt. Der dritte Platz ist gesichert. In den letzten Augenblicken des Rennens denke ich über das Jahr nach. Ich bin dankbar, dass wir das nicht allzu oft machen mussten. Meine Beine sind hinüber. Meine Hoden fühlen sich verdreht an. Ich hab mir in die Hose gepinkelt. Es ist schrecklich. Aber kaum bin ich im Ziel, vergehen nur Sekunden, bis dieser Goldfisch das Kriegsbeil begräbt. Mit einem schiefen Lächeln denke ich: „F*** ja. Das war der Wahnsinn. Das hab ich vermisst. So gut.“ Ironman Cairns in zwei Wochen. Doppeltes Elend, vielleicht sogar dreifaches. „Ich kann’s kaum erwarten!“

Video-Rennbericht vom Mann selbst
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